Donnerstag, 21. September 2017
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  DAS ARCHIV DER GEMEINDE LINSBURG 2013
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Versorgungs- und Dienstleistungen im Dorf
Info- und Diskussionsabend am 01.11.2013

 

Eigener Artikel | Linsburg, 02.11.2013 | Der große Saal im "Lindenhof" war bis auf den letzten Platz besetzt. Ca. 120 Einwohner/innen waren der Einladung der Gemeinde zu dem Vortrags- und Diskussionsabend "Versorgungs- und Dienstleistungen im Dorf" gefolgt.
Bürgermeister Jürgen Leseberg eröffnete die Versammlung und stellte die Situation und Aufgabe kurz dar. Samtgemeindedirektor Jürgen Hoffmann erläuterte die Problematik "Demographische Entwicklung" anhand der Situation in der SG Steimbke und in der Gemeinde Linsburg. Dabei untermauerte er seine Aussagen mit statistischen Erkenntnissen und Schlussfolgerungen.
Darauf aufbauend präsentierte Stv. Bürgermeister Birger Lerch die ganz konkrete Situation in Linsburg anhand einer "Chronologie des Schreckens", die das unaufhaltsame Wegsterben der ehemals in Linsburg vorhandenen Wirtschaft in Sachen Daseinsvorsorge deutlich machte.

Aus all dem geht unmißverständlich hervor, daß die Entwicklung in unserer kleinen Gemeinde in den nächsten 10 - 20 Jahren zu einem Ort führen wird, dessen Einwohner weniger und älter werden und deren Versorgung in einem deutlich schnelleren Tempo innerhalb des Ortes nahezu nicht mehr möglich sein wird, weil sie gegen Null gehen wird. Schon heute besteht diese Versorgung aus nur noch wenigen Komponenten. Die Gemeinde Linsburg steht an einer Wegegabel: entweder weiter so und sehenden Auges in einen immer kleiner werdenden Wohnort ohne Logistik migrieren oder Gegenmaßnahmen ergreifen, die die Attraktivität des Ortes erhöhen und damit den absehbaren Niedergang weitgehend verlangsamen, wenn nicht eines Tages sogar aufhalten können.

Den Schwerpunkt des Abends bildete ein eindrucksvoller Vortrag des Gastredners, Herr Wolfgang Gröll aus Starnberg in Bayern, zum Thema "Dorfladen" als einem Element aus dem Programm "Verbesserung der Lebensqualität". Er hat als Unternehmensberater bereits viele Dorfladen-Projekte mit Schwerpunkt in Süddeutschland erfolgreich begleitet und stellte diese Tätigkeit anhand immer wieder in seinen Vortrag eingeflochtener Beispiele dar. Zunächst dokumentierte er in beeindruckender Weise die Tatsache, daß sich ein engagiert und geschickt geführter Dorfladen erfolgreich gegen Supermärkte und Discounter behaupten kann, sogar wenn diese in fast unmittelbarer Nähe zum Dorfladen positioniert sind. Dabei strich er, untermauert durch viele Beispiele, heraus, daß ein Dorfladen in seiner Preisgestaltung durchaus mit den scheinbar übermächtigen Konkurrenten mithalten, ja sogar besser sein kann. Und das bei einer überzeugend guten Qualität der Produkte, die dem Dorfladen eine ausreichende Kundschaft zuführen. Der Fokus seines Vortrages lag dann auf der Darstellung des typischen Werdeganges eines Dorfladens, angefangen von der Idee bis zur Eröffnung und im weiteren bis zur Schreibung von schwarzen Zahlen. Hier einige wesentliche Aussagen seines Vortrages:

  • die bisherigen ca. 120 erfolgreichen Dorfladen-Projekte können nicht 1:1 auf andere Ortschaften übertragen werden. Sie sind als Inspiration zu verstehen. Jeder Ort muß sein eigenes individuelles Projekt-Konzept entwickeln.
  • ein Projekt "Dorfladen" steht und fällt mit der Bereitschaft der Bürgerschaft, sich im wesentlichen in der Aufbauphase im Rahmen eines ehrenamtlichen Engagements finanziell, körperlich und geistig zu engagieren.
  • das Vorhaben kann jederzeit in den einzelnen Phasen bis zum recht spät erfolgenden Schritt der "Rechtskraft" der einzugehenden Verpflichtungen risikolos und schadenfrei für Jedermann/~frau abgebrochen werden.
  • die Produktpalette muß qualitativ hochwertig, ehrlich und gut sein. Sie soll so gestaltet sein, daß sie keine Konkurrenz zur bestehenden (im wesentlichen Lebensmittel-) Wirtschaft darstellt.
  • die Bezahlung der nach der Eröffnung tätigen Mitarbeiter/in muß "anständig" sein. Der Anteil der ehrenamtlichen Arbeit wird nach der Eröffnung sinken; die Führung des Ladens muß von bezahlten Kräften übernommen werden. Ehrenamtliche sollen dann nur noch unterstützen.

Wichtig und überzeugend war, daß Herr Gröll immer wieder auch auf Risiken, Problemstellungen und mögliche Stolpersteine hinwies, so daß ein Dorfladen-Projekt durchaus auch scheitern kann. Hier wurde - bei aller Begeisterung, die dem Vortragenden anzumerken war - nichts beschönigt. Das Risiko für den einzelnen Unterstützer des Projektes hält sich dabei jedoch in Grenzen (s.o.). Finanziell liegt es bei max. 250,00 EUR - mehr sollten die Anteile nicht kosten; diese können in Raten eingezahlt werden.

Der Schwerpunkt der Fragen der Zuhörer lag eindeutig bei dem finanziellen Risiko sowie weiteren Fragen zur Aufbauphase des Projektes. Alle Fragen wurden von Herrn Gröll fachkundig beantwortet.

Nach dieser Flut an Informationen und Eindrücken ergriff BM Leserberg, sichtbar beeindruckt von diesem Vortrag, das Wort. Er stellte dann die entscheidende Frage: "Wollen wir das Projekt "Dorfladen in Linsburg" starten? Das Ergebnis der "Abstimmung" war überwältigend: nahezu einstimmig wurde diese Frage durch Handaufzeigen bejaht! Auf die Frage "Wer wäre bereit, in der Aufbauphase neben der finanziellen Beteiligung dieses Projekt auch persönlich im Rahmen seiner geistigen und körperlichen Möglich- und Fähigkeiten zu unterstützen?" meldeten sich ca. 25 Personen. Das bewertete Leseberg als absolut ausreichend.

So endete nach 3 Stunden ein für Linsburg wichtiger Abend. Der Startschuß für einen Dorfladen ist somit gefallen. Jetzt gilt es, einen Projektplan aufzustellen und mit einer Zeitschiene zu versehen. Auch die Art der begleitenden öffentlichen Dokumentation ist noch zu entscheiden, damit die Linsburgerinnen und Linsburger den Fortgang dieses Projektes mitverfolgen können und auch, um möglichst viele von diesem Projekt zu überzeugen. Denn das ist der "Knackpunkt" bei diesem Vorhaben: Je mehr sich einbringen, desto größer ist die Chance, daß die Sache gelingt. Packen wir's an: von Linsburgern für Linsburger!

Wir werden weiter berichten.

DIE HARKE - Nienburger Zeitung - hat in einem Artikel und in einer Kolumne über dieses Ereignis berichtet:

Dörfliches Produkt gegen den Einheitsbrei
Starkes Votum im "Lindenhof": Fast 100 Linsburger sprechen sich für den Aufbau eines Dorfladens aus.
("DIE HARKE" vom 04. November 2013)
Au ja, haben! Und dann?
Kolumne "Unter der Briefmarke" zum Entschluß der Linsburger, einen Dorfladen aufzubauen. Von Stefan Reckleben.
("DIE HARKE" vom 04. November 2013)

 


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