Mittwoch, 12. Dezember 2018
DIE LINSBURGER CHRONIK

DER I. WELTKRIEG

Nachdem Deutschland nun unter der Führung Preußens geeint war, bildete sich allmählich auch ein Nationalbewußtsein aus. Im März des 3-Kaiser-Jahres 1888 starb Kaiser Wilhelm I., sein schwer kranker Sohn regierte als Kaiser Friedrich III. nur 99 Tage, dann verstarb er. Nun bestieg der 1859 geborene Kaiser Wilhelm II. den Thron. Es kam schon bald zu Spannungen und Gegensätzen zwischen ihm und dem eine Generation älteren Reichskanzler Bismarck, sodass Kaiser Wilhelm II. diesen für die Einigung Deutschlands so verdienten Mann 1890 entließ.

Durch Selbstüberschätzung und eine verfehlte Bündnispolitik brachte Kaiser Wilhelm Deutschland bald außenpolitisch in eine schwierige Lage. Infolge einer starken Aufrüstung, vor allem der Seestreitkräfte, glaubte er, den Großmächten gewachsen zu sein. Auch in der Bevölkerung kam es zu einer Überhöhung des Nationalen und zu einer Fehleinschätzung der eigenen Stärke und so wurde Deutschlands Eintritt in den Krieg mit der Kriegserklärung an Rußland am 1.August 1914 von dieser überall begrüßt.

Die in den Krieg ziehenden Soldaten wurden von jubelnden Menschenmengen verabschiedet, siegessicher zog man an die Front, Weihnachten würde man sicher schon wieder zu Hause sein. Doch durch den Eintritt Frankreichs und Englands in den Krieg mußte dieser nun an zwei Fronten geführt werden, so war von deutschen Vormärschen schon bald nicht mehr die Rede.
Der Stellungskrieg, bei dem vor allem im Südwesten Frankreichs um jeden Meter Boden verbissen gekämpft wurde, führte zu großen Verlusten unter den Truppen. Auch in Linsburg mußten immer mehr junge Männer den Militärdienst antreten, in den ersten Kriegsjahren meldeten sich viele aber auch freiwillig.
Doch nicht alle hatten das Glück, nach Kriegsende im November 1918 wieder nach Hause zurückzukehren, so haben auch 33 Linsburger die Kämpfe nicht überlebt. In der deutschen Bevölkerung war in den letzten Kriegsjahren mit Ernüchterung festgestellt worden, dass dieser Krieg wohl doch nicht zu gewinnen sei. In vielen Familien waren Gefallene zu beklagen. Zudem wurde durch die Blockadepolitik der Alliierten die Versorgungslage der Bevölkerung immer schlechter. Besonders in den Städten fehlten viele Lebensmittel und so kam es bald zu Unruhen unter der Bevölkerung. Ausgehend von der Meuterei der Hochseeflotte kam es Anfang November 1918 schließlich zur Revolution, die Kaiser Wilhelm II. schließlich am 9. November zur Abdankung zwang. Er ging mit seiner Familie nach Holland ins Exil und auch alle anderen deutschen Fürsten dankten ab, damit war Deutschland nun keine Monarchie mehr.

Unter Reichskanzler Friedrich Ebert wurde nun die Republik ausgerufen und am 11.November der Waffenstillstand verkündet. In Linsburg war von den Unruhen und Wirren dieser Tage wohl ziemlich wenig zu spüren, aber die Abdankung des Kaisers berührte doch viele und so mancher Linsburger trauerte der Monarchie noch lange hinterher.

Mit der Einführung der Republik erhielten nun erstmals die Frauen das Wahlrecht, aber auch bei den Männern hatte es vorher nur ein eingeschränktes Wahlrecht gegeben, welches die Arbeiterschaft fast vollständig ausschloß. Was sich in unserem Ort aber sehr stark bemerkbar machte, war die anhaltend schlechte Versorgungslage der städtischen Bevölkerung. Die wenigen Züge, die noch fuhren, quollen über vor Menschen, alle wollten auf´s Land, um dort Lebensmittel aufzutreiben.
Vom Linsburger Bahnhof her kamen die Hannoveraner scharenweise ins Dorf und versuchten, gegen den Tausch von irgendwelchen Wertgegenständen, denn das Geld war infolge der starken Inflation nichts mehr wert, an Nahrungsmittel zu gelangen.
Besonders groß war die Not in den Wintern, zurückblickend sprach man später von den Steckrübenwintern, weil die Steckrüben neben den Kartoffeln für viele dann fast die einzigen Nahrungsmittel waren.

Unter Beteiligung des ganzen Dorfes errichtete man 1921 am sogenannten Schulberg ein Denkmal und versah es mit den Namen der 33 gefallenen Soldaten.

Gedenkstein WK I

Der große Findling wurde unter sehr großen Mühen aus dem Grinderwalde herangeschafft und am vorbestimmten Platz aufgestellt (in der Ortschronik [Quelle 2.] steht darüber ein ausführlicher Bericht). Einen schöneren und würdigeren Platz hätte man hier im Ort wohl kaum finden können. Nach diesem verlorenen Krieg kehrte die Normalität nur sehr langsam nach Deutschland zurück. Eine sehr große Bürde waren die immensen Reparationszahlungen an die Siegermächte, dadurch fehlte dem Staat das Geld zum Wiederaufbau der Wirtschaft. Die Folge war eine sehr hohe Arbeitslosigkeit, die noch dadurch verstärkt wurde, dass die deutschen Truppen auf Grund des Versailler Vertrages sehr stark reduziert werden mußten, und dadurch viele Berufssoldaten nach Arbeit suchten.

Für Linsburg gab es in dieser Zeit aber doch eine gewaltige Neuerung, ohne die wir uns das heutige Leben kaum noch vorstellen können, wurde doch in den Jahren 1920/21 das elektrische Stromnetz hier aufgebaut. Vorbei war nun die Zeit der rußenden Petroleumlampen, nun brauchte nur noch ein Schalter gedreht werden und schon erleuchtete die Glühlampe. Diese waren natürlich anfangs nur mit schwachen Glühbirnen versehen und oft in einem Wanddurchbruch aufgehängt, damit gleich zwei Räume beschienen wurden.

Auf der großen Chausee in Meinkingsburg hatten die Linsburger sicher schon öfters ein Automobil gesehen und ihm staunend hinterhergeschaut, nun kaufte sich 1925 der erste Ortsansässige solch ein Gefährt. Die Bewunderung der übrigenLinsburger war ihm sicher und stolz ließ er sich in seinem Gefährt fotografieren.

 

Linsburgs erstes Auto

 

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