Stein 800 Jahre Dorfteich Trecker Kapelle
Samstag, 19. Mai 2012
DIE LINSBURGER CHRONIK

Wer gründete den Ort, Germanen oder Slawen? Seite 2

Auch über einen weiteren Bodenfund berichtete "Die Harke":

"Linsburg. Daß in Linsburgs Vergangenheit manch Interessantes zu finden ist, z.B. die Geschichte des kgl. Schlosses, ist bekannt. Daß weiter in der Geschichte zurück aber auch eine wichtige Industrie hier geblüht hat, ein Eisenhüttenwerk rauchte und fleißige Schmiede "Linsburger Eisen" herstellten, dürfte auch den ältesten Leuten nicht mehr bekannt sein. Und doch kann wohl kein Zweifel daran sein: die Überreste reden eine zu beredte Sprache. Das Hüttenwerk lag am Südrande der "Grafhorst", wo noch heute die Halden von Eisenschlacken liegen.   

Ein Teil dieser Halden ist schon früher abgefahren worden, um mit diesem harten Material Straßen zu pflastern, aber ganze Halden von 2 - 4 m Umfang und 0,50 m Höhe sind dort jetzt noch zu sehen. "Waldschmiede" sagte der Volksmund zu den Stätten früherer Industrie, die den Raseneisenstein verhüttete; bei uns etwa in der Zeit nach Christi Geburt bis rund 1400. Eisenstein war in reichlichen Mengen in den sumpfigen Wiesen zu finden und findet sich heute noch.

Zur Verhüttung dieses Erzes hatte man etwa 800 Grad Hitze nötig. Dazu legte man Gruben an von 1,50 m Durchmesser und ebensolcher Tiefe. Diese Gruben wurden mit abwechselnden Schichten von Holzkohle und Erz beschickt, denen vielleicht Kalk als Flußmittel zugesetzt wurde, und nach oben hin mit Rasenplaggen nach Art eines Meilers zugedeckt. Ohne Sauerstoff ist ein Brennen nicht möglich und so führte man schräg durch den Sand der Wände Holzrohre, durch die Luft mit Hilfe von Gebläsen (Blasebälgen) eingeführt wurde.

In dem dann folgenden Schmelzprozeß gewann man nicht Gußeisen, sondern "Luppe" oder "Wolf", ein schwammartiges Gemisch von Schlacke und aneinandergebackten Metallteilchen, das sich am Grunde der Grube sammelte. Wenn der Ofen erkaltet war, räumte man die Schlacke ab und warf sie auf Haufen, die heute noch Zeugen dieses Prozesses sind..."


Solche Bodenfunde tragen wesentlich zur Aufklärung von Linsburgs Vorgeschichte bei, denn schriftliche Überlieferungen aus dieser Zeit gibt es für unseren Ort ja noch nicht. So ist denn auch vieles aus diesem Zeitraum noch ungewiß, besonders auch die Herkunft unserer Vorfahren. 

Die um Christi Geburt in diesem Raum lebenden Germanenstämme der Angrivarier sind aus dem von dem Gebiet nördlich der Elbe einwandernden Germanenstamm der Sachsen verdrängt worden oder in ihm aufgegangen. Von den vier sächsischen Stämmen lebten in unserem Raum die Engern, doch deutet vieles darauf hin, daß sich hier in Linsburg und in den östlich angrenzenden ortschaften Slawen vom Stamm der Wenden angesiedelt hatten oder später von den Franken hier angesiedelt wurden.

Die Ortsnamen "Wenden" und "Wendenborstel" deuten darauf hin, aber auch die Bezeichnung "wendische Freie" für Hofbesitzer in diesem Raum und "wendisches Huhn" für eine Abgabe lassen dieses vermuten.

Nach langem Kampf gegen die Franken unter Karl dem Großen büßten die Sachsen im 8. Jahrhundert ihre Selbständigkeit ein und mußten nun den christlichen Glauben annehmen. Als Verwaltungseinheit gab es damals überall Gaue, mit einem von den Franken eingesetzten sächsischen Adeligen als Gaugrafen an der Spitze. Das Gebiet östlich der Weser bei Nienburg bildete den "Grindergau", dessen Name sich teilweise im "Grinderwald" erhalten hat.

 

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