Mittwoch, 12. Dezember 2018
DIE LINSBURGER CHRONIK

DIE LINSBURGER HOLZWIRTSCHAFT

In der Linsburger Feldmark gibt es einige, das Gemarkungsbild prägende Waldkomplexe, welche eine besondere Eigentumsform haben. Es sind die 18er, die 21er und die 22er Interessentenforsten, sogenannte Realverbände, die gemeinschaftlicher Grundbesitz sind und dem Realverbandsgesetz unterliegen. Die Entstehungsgeschichte der 21er Forst weicht aber erheblich von der der 18er und 22er Forst ab.

So kann die 21er Interessentenforst auf eine über 400jährige Geschichte zurückblicken, denn schon 1582 weist der im Schloß Landestrost in Neustadt regierende Herzog Erich II. den 21 Höfen des Dorfes Linsburg in einer Urkunde eine Fläche des Grinderwaldes zu, die fortan nur noch von ihnen genutzt werden durfte.
Der Grinderwald bedeckte damals noch das gesamte heutige Gemeindegebiet, nur die hohen und trockenen Flächen in Ortsnähe waren schon gerodet und wurden als Äcker genutzt, mit Wällen und Hecken waren sie zum Schutz gegen das Vieh umgeben. Entlang der natürlichen Bäche hatte man den angrenzenden Bruchwald gerodet und Wiesen zur Heugewinnung angelegt. Die anderen Bereiche in der Nähe des Dorfes waren Heide und Grasflächen, welche nur locker mit Bäumen und Büschen durchsetzt waren. Die feuchteren Gemarkungsteile waren mit Wald bestanden.
Es hatten aber alle umliegenden Orte Nutzungsrechte am Grinderwalde, so auch die Nienburger. Sie weideten ihr Vieh und holten ihr Brenn- und Bauholz vor allem im Bereich des Dorfes Linsburg, der ja von ihnen über den „Langen Damm“ am schnellsten erreicht werden konnte. Die ihnen zugestandenen Nutzungsrechte überschritten sie dabei aber immer wieder, viele Streitigkeiten und Prozesse waren die Folge, im vorderen Teil dieser Chronik wurde darüber schon berichtet.

Am FeuerNachdem durch die ständige Übernutzung des Gebietes um Linsburg dessen Bewohner scheinbar echte Not litten, hatte Herzog Erich endlich 1582 ein Einsehen und gestattete den 21 Linsburger Hofstellen, ein Stück des Grinderwaldes  vom Meierfört über die Meierriede bis zur Kattenbeeke abzugrenzen und nur für sich zu nutzen. Sie werden in der Urkunde aber angehalten, einen Teil der Flächen mit Eichen und anderen Bäumen aufzuforsten und zu pflegen, also ein sogenanntes Hegeholz anzulegen. Die in den folgenden Jahrhunderten dazu kommenden neuen Bauern wurden von den 21 alteingessesenen Bauern nur zur Weidenutzung durch ihr Vieh, nicht aber zur Holzentnahme oder zum Heide- oder Plaggenhauen zugelassen. Da von Seiten der Neubauern aber immer wieder unberechtigte Nutzungen vorkamen, klagten die alten Höfe dagegen beim zuständigen Amtshof in Wölpe. Die Akten darüber liegen noch vor und zeigen, wie wichtig für die damaligen Höfe der Heid- und Plaggenhieb war, wurde doch so die Einstreu für das Vieh gewonnen.

Die Urkunde Erichs II., deren Text auch in der Linsburger Ortschronik abgedruckt ist, spielte auch bei der Aufteilung der Linsburger Feldmark (der Spezialteilung) im Jahre 1863 eine bedeutende Rolle. So wird die Flächengröße des damals zugewiesenen Gebietes mit etwa 1010 hannoverschen Morgen = ca. 264 Hektar taxiert, nach einer Aufstellung von 1844 waren darin 11 Waldstücke mit etwa 71,5 ha gelegen. Etwa 1861 wurde über die verstreut liegenden Forstflächen der 21er Forstinteressenten folgende Aufstellung gemacht:

1.
Die 21 Holzinteressenten oder sogenannte Hegeholz-Bauern sind Eigenthümer des Grund und Boden und des darauf stehenden Holzes, von dem Hegeholz, allein die übrigen Einwohner der Gemeinde haben das Recht ihr Vieh daselbst mit zu weiden.
 
2.
Das Hegeholz ist östlich und nördlich vom Dorfe belegen.
 
3.
Namen und muthmaßliche Größe des Hegeholzbestandes:

a) Saal nach Osten vom Dorfe belegen, mit jüngeren Eichen bestanden, 10 bis 11 Morgen groß

b) Hogrefen Saal, vor dem Streitlande, das Holz ist abgehauen und die Fläche größtentheils zu Land gemacht, 30 Morgen groß

c) Ostergerg, mit jungen Eichen bestanden, ungefähr 55 bis 60 Morgen groß

d) Mühlenhorst, nach Norden, mit jungen  Eichen, Büchen und Birken bestanden, 60 Morgen groß, daselbst noch 15 Morgen mit jungen Fuhren

e) Heistern, 1/3 mit abständigen Eichen und  2/3 mit jungen Eichen bestanden, 24 Morgen groß

f) Horst, mit jungen Eichen und Büchen bestanden, 12 Morgen groß

g) Nehrbruch, mit Eichen und kleinen Ellern, 6 bis 7 Morgen

h) Twacht, mit jungen Eichen, 2 Morgen

i) Eckerhost, mit jungen Eichen, 4 Morgen

j) Zuckerberg, mit jungen Fuhren, 2 Morgen

k) Bruch, mit Ellern bestanden, ungefähr 50 Morgen.

Nach der Neuaufteilung legte man diese gemeinschaftlichen Waldkomplexe auf drei Flächen mit ca 73 ha zusammen, die heute noch existierenden Forstorte der 21er Interessenten: „Bauernbruch“, „Hestern“ und „Mühlenhorst“. Die anderen Flächen wurden den berechtigten 21 Höfen ihren Anteilen entsprechend als Privatbesitz zugeteilt und nach und nach zu Nutzfläche umgewandelt. Bei der Spezialteilung wurden alle alten Rechte am Grinderwalde abgelöst, indem man den einzelnen Gemeinden dafür Flächen abtrat.

MuehlenhorstDie Linsburger bekamen für ihr Recht zum Heide- und Plaggenhieb eine Fläche von etwa 40 hann. Morgen, welche als eigene Interessentenforst im Bereich Zuckerberg an die Forstfläche der 21er angehängt werden sollte.
Die 18 später gegründeten Linsburger Höfe befürchteten nun aber, von den 21 älteren Höfen bevormundet oder übervorteilt zu werden und wollten lieber einen eigenen Forstort. Dieser wurde ihnen auch zugestanden, und so entstand das sogenannte 18er Holz 1863 in der Nähe des Meierfört. Die ehemals vorgesehene Fläche am Zuckerberg ist heute noch gut zu erkennen, denn jetzt ist sie Ackerland. Die 21 alten Höfe begründeten ihre neue Interessentenforst aber auf der vorgesehenen Fläche, sie gewährten auch der nicht anspruchsberechtigten ehemaligen Forsthofstelle Nr. 22 einen Anteil, sodaß es nun 22 Mitglieder waren.

Nur ein Teil aller 1863 neu zugeteilten Forstorte war schon mit Bäumen bestanden, vieles waren noch Heide- und Grasflächen, doch nun zog man an den feuchteren Stellen Entwässerungsgräben und legte die heute noch vorhandenen Rabattengräben an. Nach und nach wurden die Flächen nun bepflanzt, aber noch von 1868 liegt eine Abrechnung der 21er Forst über Heideverkauf vor. Die Höfe hatten nun einen eigenen Wald, aus dem sie ihr Brenn- und Bauholz beziehen konnten. Die anfallenden Arbeiten wurden gemeinsam verrichtet, unter Leitung eines gewählten Mitglieds.

Heute wird ein großer Tei der Arbeiten von großen Forstmaschinen erledigt und das Holz verkauft, denn der Eigenbedarf der Eigentümer ist nur noch gering. Ein Teil der Arbeiten wird aber immer noch gemeinsam ausgeführt, am Lagerfeuer wird dann immer eine Kaffeepause eingelegt, bei der gut gegessen und getrunken wird. Alljährlich im Frühjahr erfolgt dann die traditionelle „Holtafräcknung“, bei der es seit alters her ein besonderes Getränk gibt: warmen Schluck mit dunklem Kandis.

Die forstliche Betreuung der Interessentenforsten geschieht durch den hiesigen Förster, schon 1828 ist das für die 21er Forst nachweisbar. Ein Schreiben der Amtsverwaltung Wölpe aus diesem Jahre gibt Auskunft darüber, dass die Bauern zuviel Holz gehauen hatten. Vielleicht wollten sie noch einen Teil der restlichen Waldfläche urbar machen, doch das durften sie scheinbar nun nicht mehr.

Holzruecken heute

Die 21er Interessentenforst hat heute eine Fläche von 72,45 ha, die 22er ist 6,01 ha groß, geleitet werden beide von Dirk Engelbart, Heidloh 31. Die 18er Interessentenforst hat nur noch 4,20 ha, da für die Anlage des Langendammer Munitionsdepots ein Teil der Fläche verkauft werden mußte. Friedrich Hoffmeyer, Insel 11, hat hier die Leitung inne.

Leider sind die Holzpreise seit längerem rückläufig (Stand: 2003), da der Brennholzbedarf durch die Verwendung von Öl und Gas zum Heizen nur noch gering ist und im Baubereich Beton, Stahl und Kunststoffe das Holz verdrängt haben. Da nun kaum noch Erträge erwirtschaftet werden können, wird das Interesse und die persönliche Beteiligung an diesem Gemeinschaftsbesitz immer weniger. Man kann nur hoffen, dass diese Forsten, die einmal eine wichtige Lebensgrundlage unserer Vorfahren waren, nicht eines Tages zu einer Belastung für ihre heutigen Eigentümer werden.

Zusatz von 2007:
Die Lage auf dem Holzwirtschaftsmarkt hat sich seit 2003 deutlich geändert. Da im Zuge der ökologischen Nutzung von Energiegewinnungsressourcen wieder verstärkt auf Holz zurückgegriffen wird (Pellets, Holzschnitzel), sind die Preise für Holz wieder spürbar angestiegen. Die Ressource Holz hat erheblich an Bedeutung gewonnen. Für die Interessentenforsten eine erfreuliche Entwicklung!

Beschwerde des Amtes Wölpe (1)
Beschwerde des Amtes Wölpe (2)

 

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