Mittwoch, 14. November 2018
DIE LINSBURGER CHRONIK

STREIT UM DEN GRINDERWALD

Aus den nun folgenden Jahrhunderten gibt es keine schriftlichen Quellen, die uns etwas über unseren Ort berichten, erst im 16. Jahrhundert ändert sich dieses. Vermehrt gibt es jetzt Berichte und Akten, die alle von unberechtigter Holzentnahme der Einwohner Nienburgs aus dem Grinderwald handeln.

Die in der "Grafschaft Hoya" gelegene Stadt Nienburg war sehr holzarm. Holz war damals aber der wichtigste Baustoff und auch überwiegendes Brennmaterial, außerdem wurde das Vieh in den Wäldern gehütet. Der vollständig im "Amt Wölpe" und somit im "Fürstentum Calenberg" gelegene "Grinderwald" hatte seinerzeit eine wesentlich größere Ausdehnung als heute, er reichte im Norden bis an das "Westerbuch" und im Westen bis an das Dorf "Schessinghausen" heran, Linsburg lag also inmitten dieses großen Waldkomplexes.

Alle Dörfer des Amtes Wölpe hatten Holz- und Weiderechte in ihm, die Nienburger durften nur in einem Teil des Waldes Brennholz suchen, aber keine Bäume dazu fällen. Außerdem hatten sie das Recht, Bauholz für die Weserbrücke zu entnehmen, ihr Vieh war aber nur begrenzt zur Weide zugelassen. Doch die Nienburger scherten sich wenig um alte Verträge, immer wieder überquerten sie die Meerbachniederung auf dem "langen Damm" (von ihm bekam der Ort "Langendamm" seinen Namen), überschritten die Grenze und drangen in den so nahen Grinderwald ein. Dort nahmen sie sich, was sie brauchten, egal, ob es ihnen zustand oder nicht.

Die Linsburger und auch die anderen am Grinderwalde Berechtigten hatten unter dieser übermäßigen Waldnutzung zu leiden und meldeten die dreisten Einfälle der Nienburger bei ihrem Landesherrn. Doch selbst dessen Proteste bei den Hoyaer Grafen und die Androhung, Pferde oder im Wald gehütete Schweine zu pfänden, beeindruckten die Nienburger wenig. Auch in der 1563 erlassenen "Ordnung der Stadt Nienburg" weisen die Hoyaer Grafen noch einmal auf das Verbot unberechtigter Nutzung des Grinderwaldes hin.

Auf ihre wiederholten Klagen wegen der übermäßigen Nutzung des Waldes durch Holzentnahme und Viehweide bekamen die 21 Linsburger Hofstellen von "Herzog Erich" 1582 eine Fläche nördlich und östlich des Dorfes zugewiesen, an der nur sie die Nutzungsrechte hatten. Diese teilweise schon gerodete, teilweise mit Heide und Holz bewachsene Fläche war der Ursprung der heute noch existierenden "21er Interessentenforst".

Auch in den folgenden Jahrzehnten wird immer wieder von Übergriffen der Nienburger berichtet. Der gewalttätigste erfolgte aber im Jahre 1624, als die Nienburger aus Rache dafür, daß einige von Ihnen am Tage vorher aus dem Grinderwald verjagt worden waren, in das Dorf Linsburg einfielen. Dort hausten sie fürchterlich, verletzten einige Einwohner schwer, zerschlugen Möbel und Gerätschaften und stahlen Geflügel und Vorräte.

Der letzte Bericht dieser Art stammt aus dem Jahr 1656, doch in dem folgenden Prozeß zogen die Nienburger den Kürzeren, sie mußten den angerichteten Schaden ersetzen und verloren nun alle Nutzungsrechte am Grinderwald.

 

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