Mittwoch, 12. Dezember 2018
DIE LINSBURGER CHRONIK

DAS JAGDSCHLOß LINSBURG

Nur noch wenige Spuren zeugen heute im Ort Linsburg von einer einstmals diese ländliche Gemeinde beherrschenden Anlage, dem welfischen Jagdschloß Linsburg. Um so zahlreicher aber sind die Spuren und Hinweise in den Aktenbeständen des Hauptstaatsarchivs in Hannover und in zahlreichen Veröffentlichungen zur welfischen Geschichte des 17. und 18. Jahrhunderts.

Die Anfänge dieser in zwei Etappen errichteten Anlage sind infolge der geringen Aktenbestände aus der Zeit vor dem Dreißigjährigen Krieg bis heute nicht geklärt, weder ein Auftraggeber noch ein Zeitraum für den Baubeginn sind bisher bekannt. Vermutlich war es der im Schloß Landestrost in Neustadt am Rübenberge residierende Herzog Erich II., welcher  sich den nahegelegenen Grinderwald zum Hofjagdrevier erkoren hatte. Dieses seinerzeit etwa 5000 ha umfassende Waldgebiet war mit seinem Wechsel aus sandigen Anhöhen und feuchten Niederungen ein ideales Jagdgebiet mit gutem Wildbesatz.

Die Jagd war zu dieser Zeit nicht nur höfisches Vergnügen oder brachte durch das erlegte Wild Abwechslung auf den Speiseplan, sondern erfüllte in zunehmenden Maße auch repräsentative Aufgaben. An immer mehr Fürstenhöfen kam die Errichtung von Gebäuden oder ganzen Gebäudekomplexen nur für jagdliche Zwecke in Mode. Der Ort Linsburg, am nordwestlichen Rande des Grinderwaldes im Amt Wölpe gelegen, war über die direkt durch den Ort führende Heer- und Handelsstraße Hannover – Neustadt – Nienburg sehr gut zu erreichen. Unmittelbar an dieser wichtigen Verkehrsader wurde das erste Jagdablager errichtet. Ob man dabei für den Bau des Hauptgebäudes auf Reste einer vielleicht einmal vorhanden gewesenen Burg „Linsburg“ zurückgriff, ist leider nicht mehr zu klären, einige Zeichnungen dieser ersten Gebäude lassen diese Vermutung allerdings zu.
Diese 10 Gebäude umfassende Anlage war groß genug, um den gesamten zur höfischen Jagd anreisenden Fürstenhof mit seinem zahlreichen Gefolge aufzunehmen und mehrere Wochen zu beherbergen. Sogar vier Fischteiche wurden angelegt. Außerdem beherbergte ein mit einer besonderen Einzäunung versehenes und mit „Menagerie“ bezeichnetes Gebäude

Bild Kurfürst Ernst August

vermutlich eine Tierschau. Über die Nutzung dieses Gebäudekomplexes gibt es aus der Zeit vor und während des 30jährigen Krieges keine Nachricht, erst nachdem der zweite der Herzberger Brüder, Georg Wilhelm, von Hannover aus über das Herzogtum Calenberg regierte, wird von einer Nutzung der Linsburger Jagdablagergebäude, so der zuerst gebräuchliche Name, berichtet.

Herzog Georg Wilhelm hatte eine große jagdliche Passion und weilte oft in Linsburg. Nachdem er jedoch 1665 das Herzogtum Lüneburg erbte und nach Celle zog, war es nun der nächstjüngere Bruder, Johann Friedrich, der als Herzog über Calenberg regierte und stets mehrere Wochen im Jahr im Grinderwald seiner Jagdleidenschaft frönte.
Was mag wohl in dem kleinen Bauerndorf für eine Aufregung geherrscht haben, wenn der Landesherr alljährlich mehrmals mit seinem gesamten Hofstaat zu seinen Jagdaufenthalten anreiste, wenn höfisches Leben und fürstliche Pracht in Linsburg Einzug hielten.

Während der Jagdaufenthalte weilten auch die Hofbeamten und Minister mit im Jagdquartier oder pendelten zwischen Hannover und Linsburg hin und her, um die Regierungsfunktion aufrecht zu erhalten. Auch wenn Gesandtschaften anderer Fürstenhöfe, des Kaisers in Wien oder fremder Mächte in dieser Zeit mit dem Herzog verhandeln wollten, mußten sie den eine knappe Tagesreise von Hannover entfernten kleinen Ort aufsuchen. Besonders zahlreich waren die diplomatischen Besuche in den unruhigen Zeiten des Jahres 1675, als sowohl die kaiserlichen Gesandten Graf Windischgrätz und von Banz, als auch die Unterhändler des französischen Königs Ludwig XIV., Verjus und Rousseau, versuchten, Herzog Johann Friedrich auf ihre Seite zu ziehen. Als Sieger aus diesem diplomatischen Tauziehen gingen die Franzosen hervor, denn sie boten die besseren Konditionen, und so wurde am 18. Oktober 1675 in Linsburg ein Neutralitätspakt zwischen Johann Friedrich und Ludwig XIV. unterzeichnet, der dem hannoverschen Hof 20 000 Taler Subsidien im Monat sicherte.
Bild Kurfürstin Sophie

Nachdem Johann Friedrich 1679, ohne männliche Erben zu hinterlassen, verstorben war, erbte der jüngste der Herzberger Brüder, Ernst August, das Herzogtum Calenberg. Er kannte das Jagdschloß Linsburg schon aus früheren Besuchen, so gibt es einen Bericht über den Aufenthalt Ernst Augusts mit seiner Frau Sophie im Jahre 1659. Auch er war begeisterter Jäger und verbrachte schon bald mehrmals im Jahr einige Wochen in Linsburg. Obwohl auch ihn immer ein großes Gefolge umgab, behagten seiner Frau Sophie die oft mehrere Wochen dauernden Aufenthalte in der Abgeschiedenheit Linsburgs anfangs recht wenig, da sie doch wenig Abwechslung und Zerstreuung boten. In den Briefen, die sie von hier aus an ihre Verwandtschaft richtete, beklagte sie sich oft. So schrieb sie im September 1687:

„....Wir sein seider 3 Wochen allhier in ein Wildernus, da der Herzog sich mit jagen divertirt, da ich nichts von verstehe,...“ oder im Juni 1693: „Allhir sein wir in einser grossen Wildernus, da ich wenig früde habe, als die ich mir selber gebe...“.

Auch die Besuche des am hannoverschen Hofe angestellten Philosophen Gottfried Wilhelm Leibnitz brachten immer nur für kurze Zeit eine Abwechslung.  


 

 

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