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Artikel in "DIE HARKE - Nienburger Zeitung" am Mittwoch, 18. Juni 2008

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"Wir müssen kämpfen wie die Löwen"

Seit einem Jahr führt die Bundesstraße 6 an Meinkingsburg vorbei: Restaurant und Tankstelle spüren Umsatzrückgang

Michael Schneider Foto
Michael Schneider, Geschäftsführer des "Landhauses Meinkingsburg", auf der Fahrbahn der alten B6. Vor einem Jahr fuhren hier noch 15000 Autos am Tag. Jetzt ist es still. Fotos: Hildebrandt
Meinkingsburg.

Für ein Foto stellt sich Michael Schneider (59) auf die Fahrbahn der alten Bundesstraße 6. Vor einem Jahr wäre das lebensgefährlich gewesen. 15 000 Fahrzeuge am Tag rauschten an seinem Restaurant in Meinkingsburg vorbei. Seit dem 19. Juni 2007 macht der Verkehr um den kleinen Ort mit seinen 50 Einwohnern einen Bogen: Die Bundesstraße 6 wurde als vierspurige Umgehung neu gebaut. Seit dem 19. Juni 2007 macht der Verkehr um den kleinen Ort mit seinen 50 Einwohnern einen Bogen: Die Bundesstraße 6 wurde als vierspurige Umgehung neu gebaut.

 

Michael Walter Foto
Tankstellenpächter Michael Walter, (41): "Der Umsatz ist um 40 Prozent zurückgegangen."

 

"Seit einem Jahr fehlt uns die B 6, die Lebensader", sagt Schneider, seit 20 Jahren Geschäftsführer des "Landhauses Meinkingsburg". Um 30 Prozent sei der Umsatz gesunken, seitdem der Verkehr nicht mehr direkt vor seinem Restaurant vorbeiführt. "Wir müssen kämpfen wie die Löwen. Und das tun wir auch", sagt der Gastronom.

Tankstellenpächter Michael Walter (41) hat sich von seinem Schock noch nicht erholt. "Bescheiden", sagt er, wenn er nach seinem Umsatz gefragt wird. Denn auch die ClassicTankstelle in Meinkingsburg leidet unter der neuen B 6. Um 40 bis 45 Prozent sei der Umsatz zurückgegangen, sagt Walter. Den 19. Juni vergisst Walter nicht. "Der Tag, an dem wir abgeschnitten wurden." Von Heute auf Morgen blieben viele Kunden aus. "Früher hatten wir mal zwei, drei Minuten Luft, heute sind es leicht 15 oder 20 Minuten, dass niemand tankt. Vor allem die Wochenenden waren früher gute Tage. Das ist vorbei."

Ein Jahr habe er nun durchgehalten, meint Walter. Aber zu welchem Preis? Sein Vater habe wegen der ganzen Aufregung einen Herzinfarkt bekommen. Und drei Mitarbeiter habe er entlassen müssen. "Das geht zu Lasten seiner Familie, die jetzt länger an der Kasse steht."

Er sei froh, dass er zur Hoyaer Firma Lühmann, die seine Tankstelle betreibt, ein gutes Verhältnis habe. Einen Neubau an der neuen B 6 plane Lühmann aber nicht. Es müssten dann auch schon zwei Tankstellen sein - für jede Fahrtrichtung eine, denn die Fahrbahn ist geteilt.

Was Walter die Sache nicht einfacher macht: In dem einen Jahr sind die Benzinpreise um zehn Prozent gestiegen — und die Autofahrer tanken jetzt weniger. Am liebsten würde Walter an der neuen B 6 ein Preisschild aufstellen, um Kunden anzulocken. Doch das sei nicht erlaubt. Der 41-Jährige überlegt, eine zweite Tankstelle zu pachten und zusätzlich einen Getränkemarkt oder eine Anhängervermietung zu eröffnen. Bis dahin bleibt Walter nur eines: "Hoffen, dass die Leute bei der Stange bleiben."

"Es hätte schlimmer kommen können", sagt Michael Schneider. "Der Umsatz hat sich auf einem Niveau eingependelt, auf dem wir gut leben können." Er plant nebenan nach wie vor einen neuen Hotelkomplex. Doch dieses Projekt geht er jetzt viel behutsamer an. Auch wenn Leute meinen, Schneider schwimme in Geld, weil er vor einem Jahr für 65 000 Euro an der neuen B 6 eine 14 Meter hohe Reklamesäule aufstellen ließ, damit sein Restaurant und Hotel nicht völlig untergehen. Zwei 1,70 Meter hohe Reklameschilder stellte er außerdem in 500 und 1000 Metern Entfernung auf einem Acker neben der neuen B 6 auf. "Mehrere Fahrer und ein Busfahrer monierten, dass der Name ‚Meinkingsburg‘ nirgends zu finden ist." Was Schneider auch weiß: "Viele Autofahrer fahren an der Abfahrt nach Meinkingsburg vorbei, weil sie denken, das Restaurant kommt noch. Umkehren können sie erst nach einigen Kilometern, was dann aber keiner mehr macht. Es wird sicherlich noch ein weiteres Jahr dauern, bis es sich bei den Gästen verfestigt hat, wo sie abbiegen müssen, um zu uns zu kommen."

Nicht nur die neue B 6 macht Schneider zu schaffen. Auch das Nichtraucherschutzgesetz, denn Stammkunden würden ausbleiben, seitdem in seinem Restaurant nicht mehr geraucht werden dürfe. Hinzu kommt: "Die Preissteigerungen für Energie und Lebensmittel lassen den Geldbeutel schmaler werden."

Was Michael Schneider freut: "Gut, dass das Straßenbauamt die alte B 6 wenigstens so breit gelassen hat. So können uns Busse und Lastwagen weiterhin bequem erreichen." Die B 6 bleibt eben seine Lebensader.

 

 


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