Bürgersprechstunde

In Langendamm, einem benachbarten Ortsteil der Stadt Nienburg/Weser, befindet sich auf dem Standort-Übungsplatz der Bundeswehr eine nicht öffentlich zugängliche Anlage, die durch ihre Historie einen Bezug zu Linsburg hat. Es handelt sich um die sog. "Muna", eine Ansammlung von Munitionsbunkern, die in der national- sozialistischen Zeit errichtet wurde. Bei einem schweren Unglück am 18. November 1945 fanden 17 Menschen den Tod, die meisten aus Linsburg. Alle 10 Jahre findet am Unglücksort - heute eine Gedenkstätte - eine Gedenkveranstaltung statt, letztmalig am 20. November 2025. Weitere Informationen zu dieser Anlage erhalten Sie auf dieser Seite.
Bei der alle 10 Jahre stattfindenden Gedenkstunde an das Muna-Unglück hat am 22.11.2025 nach der Begrüßung und den einleitenden Worten durch Linsburgs Bürgermeisterin, Frau Dr. Tina Dettmer, der Linsburger Ludwig Stelling die folgenden Informationen vorgetragen:
Wir stehen hier an dem Ort, an dem am Sonntag den 18. November 1945 bei der Explosion von 2 Pulverbunkern im Bruchteil von Sekunden 17 Personen ihr Leben verloren. Von der Stärke dieser Explosion zeugt noch heute dieser gewaltige Krater.
Was aber hatte diese Menschen verleitet, sich in solche Gefahr zu begeben, die doch wohl allen bekannt war?
Um das zu verstehen müssen wir an die Zustände vor 80 Jahren denken, als nach der Kapitulation Deutschlands zunächst eine ziemlich rechtslose Zeit herrschte und die Engländer erst begannen, langsam wieder die öffentliche Ordnung herzustellen.
So war auch das von den deutschen Truppen am 9. April 1945 überhastet verlassene Gelände der von 1935 bis 39 erbauten Langendammer Munitionshauptanstalt nur schwach bewacht, bot aber in seinen unzähligen Produktionshallen und Bunkern viele Dinge, die es in dieser Zeit nirgends zu kaufen gab oder die man nutzen konnte, um durch Tausch lebenswichtige Dinge zu bekommen. Das hatte sich bald herumgesprochen und so zogen an jedem Sonntag aus allen umliegenden Dörfern Scharen von Menschen los, um in der dann nur schwach bewachten Muna nach Brauchbarem zu suchen.
Da waren zum Beispiel die hölzernen Munitionskisten, aus denen man mit etwas Geschick Sitzgelegenheiten, Schränke oder sogar Betten bauen konnte, denn Möbeln waren kaum zu bekommen, denn zu den Evakuierten und Ausgebombten aus dem Ruhrgebiet und den großen Städten, mussten ja auch immer mehr Flüchtlinge aus den Ostgebieten untergebracht werden.
Besonders begehrt waren auch die Leinensäcke in den Bunkern, in denen das aus der großen Pulverfabrik Liebenau angelieferte Pulver enthalten war. Schon während des Krieges fanden immer wieder Kleidersammlungen statt und nach Kriegsende musste auf Anweisung der Engländer jede Gemeinde noch eine gewisse Zahl an Kleidung und Bettwäsche abliefern, um die nun freigekommenen Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter damit zu versorgen, und auch die Flüchtlinge besaßen oft nur die Kleidung, die sie auf dem Leibe trugen.
Aus dem Leinen der Pulversäcke ließ sich nun vieles anfertigen, doch war man im Laufe der Monate beim Ausschütten des Pulvers wohl etwas sorgloser geworden, - es war ja bisher immer gut gegangen. Ob nun von den 17 Personen, die sich am frühen Morgen des 18. November in oder bei den Bunkern mit den Nummern 45 und 46 befanden, jemand ein Streichholz entzündete, um besser sehen zu können oder ob jemand Nagelschuhe trug, ist natürlich reine Spekulation, denn keine der 17 Personen hat die gewaltigen Explosionen überlebt, die um 8.10 Uhr erfolgte und in weitem Umkreis zu hören war. In Linsburg waren z. B. durch die Druckwelle von einigen Gebäuden Pfannen von den Dächern geschleudert worden.
Nun begann natürlich bei den Angehörigen der Ausgezogenen das bange Warten, denn auch sie hatten ja die Explosion vernommen. Als sich dann gegen Mittag ein kleiner Suchtrupp auf den Weg machte, fanden sie am Standort der Bunker nur den gewaltigen Krater und Reste von Fahrrädern. Nur von zwei Personen konnten noch Körperteile gefunden werden. Es hatte also niemand dieses Explosionsunglück überlebt. Es haben schon vorher und auch in späteren Zeiten beim Hantieren mit Munition noch einzelne Personen auf dem Muna-Gelände ihr Leben verloren, doch das Unglück vom 18 November 1945 war das schwerste.
Alle hier Verunglückte waren froh, den Krieg überlebt zu haben und hatten sicherlich auch Pläne für das Leben nach dem Krieg, doch ein Bruchteil von Sekunden veränderte alles.
Wir können uns heute kaum vorstellen, was es für die Hinterbliebenen damals bedeutete, wenn in dieser so schwierigen Zeit so plötzlich der Ernährer - oder in einem Fall auch eine junge Mutter - fehlte, was für eine Not über viele Familien hereinbrach.
Schon bald nach dem Unglück errichteten Angehörige hier eine kleine Gedenkstätte, denn sie hatten ja kein Grab, an dem sie trauern konnten. Die jetzige Anlage wurde von Angehörigen der Bundeswehr errichtet, was wir dankbar anerkennen müssen. Leider ist dieser Ort, der an die Schrecken des Krieges erinnert, heute aber nur sehr eingeschränkt zugänglich und so soll die heutige Gedenkfeier mit dazu beitragen, dass dieses Unglück nicht in Vergessenheit gerät.
Diese Linsburger hinterließen Ehefrauen und größtenteils auch Kinder
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